Baltischer ScharfschützeBaltischer Scharfschütze

Baltischer Scharfschütze

NINERS holen Mindaugas Sušinskas.

Chemnitz hat sich den ersten ausländischen Neuzugang für die kommende Saison in der easyCredit Basketball Bundesliga gesichert. Die Wahl fiel auf den 26-jährigen Litauer Mindaugas Sušinskas, der aus der ersten Liga seines Heimatlandes vom Playoffteilnehmer Prienai Cbet kommt und bei Sachsens besten Korbjägern einen Vertrag bis 2023 unterzeichnet. „Wir wollten dieses Jahr einen der sechs Ausländerspots europäisch besetzen und sind überzeugt, einen hoch veranlagten Spieler für uns gewonnen zu haben“, sagt NINERS-Geschäftsführer Steffen Herhold. „Mindaugas besitzt enormes Potenzial, wird vorwiegend auf der Small-Forward-Position zum Einsatz kommen, kann mit seinen 2.04 Meter aber auch als Power Forward agieren. Er stand auf unserer Liste weit oben, weshalb wir sehr glücklich sind, dass es nun geklappt hat“, freut sich Cheftrainer Rodrigo Pastore.

 

Nach Dainius Pleta, der von 2001 bis 2004 seine Stiefel für Chemnitz schnürte, ist Sušinskas erst der zweite Litauer überhaupt, der jemals für die NINERS auflief. Seinen Vornamen verdankt er Volksheld Mindaugas I., der im 13. Jahrhundert die fünf litauischen Fürstentümer einte und zum ersten König des Baltenstaates aufstieg. Gut 750 Jahre später erblickte Mindaugas Sušinskas, den seine Freunde kurz „Minde“ rufen, nur 50 Kilometer von der Grenze zu Polen und Weißrussland entfernt, in Alytus das Licht der Welt. Die 50.000-Einwohner-Stadt ist ebenso basketballbegeistert wie der Rest des Baltikums und stellte 2011 mit der nagelneuen Alytaus-Arena einen der Spielorte für die damalige Herren-Europameisterschaft. Kein Wunder also, dass Sušinskas schon früh der Korbjagd verfiel und in seiner Jugend die berühmte litauische Basketballschule durchlief.

 

Als Teenager glaubte der Flügelspieler allerdings noch nicht an eine Profikarriere, wollte sich erst einmal auf die Schule und später aufs Studium konzentrieren. Dennoch reichte sein Talent, um mit 18, 19 Jahren zwischen der zweiten und dritten Liga zu pendeln. 2015 durfte Sušinskas sogar an einem Trainingscamp der litauischen U20-Nationalmannschaft teilnehmen, wo er unter anderem dem heutigen NBA-Star Domantas Sabonis begegnete. Der wirkliche Wendepunkt war jedoch ein Freizeitturnier im gleichen Sommer, als Minde in seiner Heimatstadt Alytus auf ein Team traf, in dem auch so mancher Profi des örtlichen Erstligisten spielte, und dabei einen Dreier nach dem anderen versenkte. Daraufhin machte ihm Povilas Tamulynas, Präsident des LKL-Clubs Dzujika Alytus, das Angebot, sich doch einmal selbst im Profiteam zu beweisen. Sušinskas nahm die Herausforderung an, kam in den nächsten beiden Jahren jedoch kaum in der höchsten Liga zum Einsatz.

 

Erst in der Spielzeit 2017/18, mit nunmehr schon 22 Jahren, gelang dem Blondschopf der Durchbruch, als er 35 LKL-Partien bestritt und dabei durchschnittlich sechs Punkte erzielte. Im Folgejahr bestätigte Sušinskas jene Leistungen und erreichte mit Alytus das Playoffviertelfinale. Anschließend meldete sich der Forward für den Freiwilligendienst der litauischen Armee und nahm 2019 an den Militärweltmeisterschaften im chinesischen Wuhan teil. Mit einer Mannschaft, die zur Hälfte nur aus Amateuren bestand, kegelte Litauen im Halbfinale den Gastgeber raus und traf im Endspiel auf die favorisierten USA. Dort avancierte Sušinskas zum Topscorer, erzielte 28 seiner 35 Punkte in der zweiten Hälfte und führte sein Team zum überraschenden 91:83-Finalsieg.

 

Von der Goldmedaille beflügelt, wollte Sušinskas auch in der ersten Liga Litauens richtig durchstarten, steigerte sich auf zehn Punkte pro Partie, kam durch eine Schulterverletzung und den coronabedingten Saisonabbruch allerdings nur auf elf Einsätze. Dennoch hatte er längst das Interesse größerer Clubs geweckt und wurde für die Spielzeit 2020/21 vom ambitionierten Team Prienai Cbet verpflichtet.  Der litauische Pokalsieger von 2013 legte einen starken Saisonstart hin, musste dann aber die Abgänge der Topstars Regimantas Miniotas (nach Bilbao, Spanien) und Marquis Wright (nach Cluj, Rumänien) verkraften. So lag die Hauptlast auf Sušinskas' Schultern, der jedoch zu liefern wusste, in 36 Erstligapartien durchschnittlich 14.8 Punkte sowie 4.3 Rebounds erzielte und Prienai als Tabellenfünften ins Playoffviertelfinale führte. Dabei glänzte der Neu-Chemnitzer mit bärenstarken Wurfquoten von fast 63 Prozent aus dem Zweierbereich, 45 Prozent von der Dreier- sowie 90 Prozent von der Freiwurflinie und wurde von der LKL ins „First Team“ also die Top5 der zurückliegenden Saison gewählt. Dass die Leistungen keine Eintagsfliege waren, verrät ein Blick auf Sušinskas Karrierestatistiken. In 130 Erstligapartien verwandelte der variable Flügel 59 Prozent seiner Zweierversuche, 41 Prozent Dreier und 86 Prozent Freiwürfe.

 

„Mindaugas bringt offensiv das ganze Paket mit, kann von draußen werfen, aber auch den Korb attackieren und seine Mitspieler in Szene setzen. Die Fähigkeit, auf beiden Flügelpositionen spielen zu können, macht ihn für uns noch einmal wertvoller“, freut sich Pastore auf den 98 Kilogramm schweren Neuzugang. „Ich habe in den letzten Wochen viele Partien der NINERS angeschaut. Ihre Spielweise passt perfekt zu mir und ich bin überzeugt, dass ich gut in das Chemnitzer Team passe und hier den nächsten Schritt in meiner Karriere machen kann. Es wird meine erste Station im Ausland, aber ich freue mich schon sehr auf die BBL, die Fans und denke, dass wir eine gute Rolle spielen können“, sagt Sušinskas, der alsbald in Sachsen eintreffen und künftig mit der Nummer 29 für die NINERS auf Korbjagd gehen wird. Derweil schreiten die Kaderplanungen des Chemnitzer Bundesligisten weiter voran. Schon Ende der Woche soll der nächste Neuzugang verkündet werden. „Es sind noch mindestens vier ausländische Spots zu vergeben“, lässt sich Headcoach Pastore ein wenig in die Karten schauen und wähnt die NINERS mit Blick auf die kommende Saison „auf einem guten Weg“.

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