Chemnitz angelt sich Yohan Choupas
Ein Franzose mit deutschen Wurzeln
Auf dem insbesondere bei deutschen Spielern hart umkämpften Transfermarkt ist den NINERS ein kleiner „Steal“ gelungen. Die Sachsen haben sich die Dienste des gebürtigen Franzosen Yohan Choupas für die kommende Spielzeit inklusive Option auf eine weitere Saison gesichert. Der 26-Jährige, dessen Mutter ursprünglich aus Iserlohn stammt, besitzt auch die deutsche Staatsbürgerschaft und kann dadurch in der Bundesliga uneingeschränkt zum Einsatz kommen. Die letzten beiden Spielzeiten verbrachte der 1.93 Meter große und 88 Kilogramm schwere Shootingguard beim französischen Erstligisten Élan Sportif Chalonnais, mit dem er diese Saison in der Champions League unter anderem auch auf Berlin und Würzburg traf. Für Choupas ist Chemnitz die erste Auslandsstation, ging er bislang doch ausschließlich in seinem Heimatland auf Korbjagd und feierte dort mit Monaco beim EuroCup-Sieg 2021 den größten Erfolg seiner Karriere.
Geboren und aufgewachsen ist Choupas in Paris, wo er die renommierte Schule des nationalen Basketball-Leistungszentrums durchlief und anschließend in den tiefen Süden zum neunfachen französischen Meister Pau-Lacq-Orthez wechselte. Dort erlebte der Shooting-Guard bereits als 18-Jähriger sein Erstligadebüt und feierte parallel zahlreiche Erfolge mit Frankreichs Juniorennationalmannschaften. 2018 gewann er mit „Les Bleus“ bei der U18-Europameisterschaft ebenso Bronze wie ein Jahr später bei der U19-Weltmeisterschaft. Bei der anschließenden U20-EM drang die „Équipe Tricolore“ abermals ins Spiel um Platz 3 vor, musste sich dort aber den deutschen Junioren um Choupas‘ künftigen Chemnitzer Teamkameraden Mateo Seric knapp geschlagen geben. Bei allen drei Turnieren gehörte Choupas stets zu den wichtigsten Leistungsträgern Frankreichs, stand in 21 Partien durchschnittlich 26 Minuten auf dem Feld und legte Mittelwerte von 9.0 Punkten, 3.2 Rebounds, 2.1 Assists sowie 1.2 Steals auf. Folgerichtig wurde die AS Monaco hellhörig und lotste das junge Talent 2020 ins Fürstentum. Als Ergänzungsspieler absolvierte Choupas im französischen Ligabetrieb und EuroCup immerhin 29 Einsätze mit knapp neun Minuten Einsatzzeit pro Partie und stand sogar im entscheidenden Finalrückspiel gegen UNICS Kazan kurz auf dem Feld, als Monaco mit einem 86:83-Erfolg schließlich den ersten und bislang einzigen Europapokal der Vereinsgeschichte gewann.
Um sich mit größeren Einsatzzeiten weiterentwickeln zu können, wechselte Choupas anschließend in die zweite französische Liga, wo er von 2021 bis 2024 für Lille, Angers und Gries-Souffel die Stiefel schnürte. Dabei konnte er seinen Output kontinuierlich steigern und erzielte bei seiner letzten Station im Elsass pro Spiel durchschnittlich 12.8 Punkte, 4.8 Assists sowie 3.8 Rebounds. Grund genug für den Erstligisten Élan Sportif Chalonnais, gemeinhin nur als Élan Chalon bekannt, Choupas zurück ins französische Oberhaus zu lotsen. Dort bestritt der defensivstarke Guard in Liga, Pokal und zuletzt sogar Champions League über zwei Spielzeiten hinweg insgesamt 87 Pflichtpartien mit durchschnittlich 21 Minuten Einsatzzeit, 6.8 Punkten, 1.7 Rebounds sowie 1.2 Assists. Über seine gesamte Profikarriere hinweg, die nunmehr schon 273 Pflichtspiele umfasst, wusste Choupas seine Wurfqualitäten mit einer 34-prozentigen Dreierquote und starken 81 Prozent von der Freiwurflinie zu unterstreichen. In Chemnitz soll Choupas vorwiegend auf seiner erlernten Stammposition als Shootingguard agieren, kann punktuell aber auch auf Nachbarpositionen ausweichen.
Mindestens ebenso wichtig ist, dass der 26-Jährige einen deutschen Pass hat und dadurch nicht unter die Ausländerbeschränkung der Basketball Bundesliga fällt. Ein bedeutender Faktor, hat sich doch insbesondere der Markt für einheimische Spieler in jüngerer Vergangenheit deutlich verändert. Einerseits lockt die quasi-professionelle US-amerikanische College-Liga NCAA seit einer Regeländerung im letzten Jahr viele junge Talente mit teils exorbitanten Gehältern über den Teich. Andererseits zieht es immer mehr deutsche Profis in die zahlungskräftigen Ligen nach Spanien, Italien oder Frankreich, wo sie als EU-Bürger den einheimischen Spielern gleichgestellt sind und somit nicht unter die dortigen Ausländerregelungen fallen. Für hiesige Bundesligaclubs hat dies zur Folge, dass sie bei der Suche nach spielstarken und bezahlbaren deutschen Akteuren noch kreativer werden und Kaderstrukturen anpassen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb freuen sich die NINERS besonders, sich nun die Dienste von Yohan Choupas gesichert zu haben, der seiner ersten Auslandsstation bereits ebenfalls entgegenfiebert: „Ich bin sehr glücklich und stolz, mich den NINERS anzuschließen. Schon nach den ersten Gesprächen war ich überzeugt, dass Chemnitz der richtige Ort für mich ist. Ich möchte eine neue Herausforderung annehmen, ein neues Umfeld kennenlernen und mich sowohl als Spieler wie auch als Mensch weiterentwickeln. Dass ich durch meine Mutter die deutsche Staatsangehörigkeit besitze, erleichtert mir den Schritt in die BBL – dafür bin ich sehr dankbar. Die Ambitionen der NINERS haben mich sofort begeistert und ich kann es kaum erwarten, die Fans sowie meine Teamkollegen kennenzulernen und dieses neue Abenteuer zu beginnen.“