Chemnitz schlägt Heidelberg nach doppelter Overtime
Basketballkrimi mit Happy End
Es war ein echtes Drama in sechs Akten. Über vier Viertel und zwei Verlängerungen hinweg lieferten sich die NINERS Chemnitz und die MLP Academics Heidelberg am Mittwochabend ein unfassbar spannendes Match. Vor über 4.300 mitfiebernden Fans wechselte die Führung zwischen beiden Teams ganze 23 Mal. Nie konnte sich eine Mannschaft mehr als sieben Zähler absetzen. Am Ende der regulären Spielzeit und beider Overtimes hatten mal Chemnitz, mal Heidelberg den Sieg schon fast auf ihrer Seite, doch den Schlusspunkt setzte letztlich Corey Davis, der 2.2 Sekunden vor Schluss mit einem Dreier plus Bonusfreiwurf zum 99:96-Endstand traf. Für die „Orange Army“ war es der vierte Erfolg in den letzten fünf Pflichtpartien, welcher sie auf den zehnten Tabellenplatz und damit letzten Playin-Spot der easyCredit Basketball Bundesliga klettern lässt. Heidelberg musste dagegen auf fast schon tragische Weise die dritte Niederlage nacheinander hinnehmen und verharrt auf dem vorletzten Rang, ehe es nun für beide Teams in die rund zweiwöchige Länderspielpause geht.
Wie so oft in dieser Spielzeit konnten NINERS und Academics nicht in Bestbesetzung antreten. Bei Chemnitz fehlten erwartungsgemäß die beiden noch angeschlagenen Center Amadou Sow und Julian Steinfeld. Zudem fiel Kapitän Aher Uguak mit leichten Knieproblemen kurzfristig aus. Heidelberg musste ohne seinen zweitbesten Scorer Michael Weathers sowie Samuell Williamson auskommen. Darüber hinaus zahlten Ryan Mikesell und DJ Horne gegen Ende der Partie den Preis für die hohe Belastung. Zunächst aber hatten beide erheblichen Anteil, dass die Academics gut ins Match starteten und schnell auf 7:2 davonzogen. Für die NINERS antwortete Nike Sibane, ehe Kevin Yebo per Dreier zur ersten Chemnitzer Führung traf (10:9). Bis zur Viertelpause ging dann wieder Heidelberg knapp in Front (18:16) und setzte sich im zweiten Abschnitt durch Treffer von Marcel Keßen sowie Mateo Seric auf 29:22 ab. NINERS-Coach Rodrigo Pastore reagierte mit einer Auszeit und versuchte dort vor allem Lösungen für die äußerst holprige Offensive seines Teams zu finden. In der Folge netzten Sibande und Yordan Minchev zwei Dreier, während Davis und Jordan Schakel am Brett erfolgreich waren, woraufhin es beim Stand von 34:34 in die Halbzeit ging.
Nach dieser erwischte Chemnitz den besseren Start und stellte durch einen Davis-Dreier sowie Sibandes „And-One“ und Freiwürfe auf 42:38. Schnell aber gerieten die Angriffsbemühungen der NINERS wieder ins Stocken. Auf der Gegenseite hatten die Heidelberger nun allmählich ihre Visiere eingestellt. Trafen sie noch in der ersten Halbzeit nur einen einzigen Dreier, jagten jetzt Keßen und Seric drei Distanzwürfe zur 53:49-Führung durch den Ring. Mit einem knappen 55:53-Vorsprung gingen die Gäste ins letzte Viertel, wo nun wiederum Chemnitz das Zepter übernahm und durch einen Newman-Dreier auf 64:61 stellte. Wenig später brach die „Crunchtime“ an, in der DJ Horne per Dreier zum 72:71 für Heidelberg den ersten Punch setzte. Minchev konterte jedoch nervenstark aus gleicher Distanz und hätte die Partie nach einem Ballgewinn Mushidis fast schon entscheiden können. Doch Academics-Center Osun Osunniyi verhinderte mit einem Monsterblock die Chemnitzer Punkte und so schickte Eric Reed per Tip-In das Match in die Verlängerung.
Dort musste alsbald Ryan Mikesell der hohen Schlagzahl Tribut zollen und mit verstauchtem Knöchel vom Feld. Den vermeintlichen Vorteil schien der an diesem Abend zwischen Genie und Wahnsinn wandelnde Corey Davis mit zwei leichtfertigen Ballverlusten aber fast zu verschenken und so gingen die Academics mit einer hauchdünnen 82:80-Führung in die Schlussminute. Nunmehr aber auch ohne Horne, den muskuläre Probleme zur Auswechslung zwangen. Gegen personell dezimierte Gäste kämpfte sich Chemnitz noch einmal zurück und erreichte dank eines Treffers von Kostja Mushidi die zweite Overtime. Dort ließ der 27-jährige Flügel, der bald seine Premiere im deutschen Nationaltrikot feiern könnte, einen staubtrockenen Dreier folgen und als Washington auf 87:82 stellte, war der Sieg zum Greifen nah. Doch die aufopferungsvoll kämpfenden Heidelberger konterten mit zwei Dreiern von Keßen und Erol Ersek. Letztgenannter war es dann auch, der die NINERS und 4.300 Fans in der Chemnitzer Messe zwölf Sekunden vor Schluss mit seinem nächsten Distanztreffer zur 96:95-Gästeführung schockte. Auszeit Chemnitz, dann der Ball fast weg, aber noch blieben neun Sekunden, in denen das Leder über Minchev zu Davis fand, welcher die Murmel trotz Erseks Foul durch den Ring schweißte. Bonusfreiwurf oben drauf, nur noch 2.2 Sekunden Restspielzeit, in denen Heidelberg den Ball aber nicht mehr zum lauernden Ersek brachte und somit das Spiel auf höchst dramatische Weise zugunsten der NINERS entschieden war!
TRAINERSTIMMEN
Rodrigo Pastore (Chemnitz): „Danny kann stolz auf sein Team sein, das großartig kämpfte und heute viele Widrigkeiten überwand. Ähnliches gilt für meine Mannschaft. Einige unserer Jungs gehen auf dem Zahnfleisch, sind dennoch aufgelaufen und haben alles gegeben. Bei Spielen wie heute ist es etwas tragisch, dass es im Basketball kein Unentschieden gibt, denn Heidelberg hat es definitiv nicht verdient, als Verlierer vom Parkett zu gehen. Wir fanden heute vor allem offensiv nie unseren Rhythmus. Heidelberg machte uns das Leben mit seiner Switch-Defense und den großen Line-Ups schwer. Zeitweise sind wir gut in die Zone gekommen, konnten defensiv auch Druck aufbauen und Ballverluste erzwingen, schlugen daraus aber dann zu wenig Kapital. Dennoch zeigten wir insgesamt eine starke Mentalität – allen voran Corey Davis. Er ist einfach furchtlos und haut alles rein. Ich fragte ihn, ob er eine Pause braucht, aber er wollte auf dem Feld bleiben und machte am Ende die wichtigen Plays, als wir sie am nötigsten brauchten. Nun freuen wir uns auf die kurze Pause, die einige Jungs wirklich nötig haben, und müssen versuchen, uns im Training weiter zu verbessern. Nur so kann es gehen – mit beharrlicher Arbeit.“
Danny Jansson (Heidelberg): „Es war ein extrem enges Spiel mit 23 Führungswechseln und als die Zeit nach zwei Verlängerungen ablief, hatte Chemnitz den einen entscheidenden Treffer mehr auf seiner Seite. Dennoch bin ich sehr stolz darauf, wie wir uns heute trotz aller Umstände und Verletzungen präsentierten. Vielleicht haben wir ein, zwei Chancen verpasst, auch mal etwas weiter davon zu ziehen, aber sobald Chemnitz ein kleiner Lauf gelang, sind wir immer wieder zurückgekommen. Wir haben leidenschaftlich gekämpft und können sehr viel Gutes aus diesem Spiel mitnehmen.“
STATISTIK
NINERS Chemnitz vs. MLP Academics Heidelberg 99:96 (16:18, 18:16, 19:21, 21:19, 8:8, 17:14), 4.342 Zuschauer
Sibande (18 Punkte), Davis (17), Minchev (16), Mushidi (14), Yebo (14), Schakel (7), Bedime (5), Washington (5), Newman (3), Kellig (nicht eingesetzt), Wahren (nicht eingesetzt), es fehlten: Sow, Steinfeld, Uguak
TERMINE
easyCredit BBL: Fitness First Würzburg Baskets vs. NINERS Chemnitz, Freitag, 06.03.2026, 20:00 Uhr, tectake ARENA Würzburg
easyCredit BBL: NINERS Chemnitz vs. ratiopharm ulm, Sonntag, 08.03.2026, 18:00 Uhr, Messe Chemnitz
BKT EuroCup: Cedevita Olimpija Ljubljana vs. NINERS Chemnitz, Mittwoch, 11.03.2026, 19:00 Uhr, Arena Stožice Ljubljana
📸 @ernestouhlmann