Wankelnde NINERS empfangen nervenstarke Norditaliener
Duell der Gegensätze
Im höchstwahrscheinlich letzten EuroCup-Heimspiel der laufenden Saison trifft Chemnitz diesen Mittwoch in der heimischen Messe auf das Team von Dolomiti Energia Trento. Die Norditaliener sind bereits sicher für das Achtelfinale qualifiziert und seit Wochen in bestechender Form. Obendrein kann das Team von Coach Massimo Cancellieri im Gegensatz zum Hinspiel, welches seinerzeit die NINERS gewannen, nunmehr in Bestbesetzung antreten, während Chemnitz weiterhin große Personalprobleme hat. Amadou Sow, Kaza Kajami-Keane, Julian Steinfeld und der im EuroCup nicht einsatzberechtigte Eric Washington werden gegen Trento definitiv fehlen. Bei den zuletzt unter muskulären Problemen leidenden Nike Sibande und John Newman bestehen zumindest leise Hoffnungen auf ein Comeback. Tickets für die um 19:00 Uhr beginnende Partie sind noch im Onlineshop und an der Abendkasse erhältlich.
Die Ausgangslage ist relativ einfach. Mit einem Überraschungssieg gegen Trento würde Chemnitz die Tür zum EuroCup-Achtelfinale ganz weit aufstoßen. Denn sollte zugleich der letzte verbliebene Konkurrent um den sechsten Tabellenplatz, ratiopharm ulm, nur eines seiner beiden abschließenden Gruppenspiele gegen Podgorica oder in Trento verlieren, wären die NINERS schon sicher für die KO-Runde qualifiziert. Selbst bei einer Niederlage gegen die Italiener am morgigen Mittwoch und einem ebensolchen Resultat in Ankara kommende Woche würde Chemnitz noch weiterkommen, falls Ulm parallel keinen Sieg mehr holt. Sollte der erhoffte Sprung ins Achtelfinale gelingen, müssten die NINERS als Gruppenfünfter oder -sechster aber sowohl jenes KO-Spiel, wie auch ein bestenfalls folgendes Viertelfinale jeweils auswärts in einem einzigen „Do-or-Die-Game“ bestreiten. Erst beim Erreichen des Halbfinales, welches wie das Finale im Best-of-3-Modus gespielt wird, wäre dann wieder ein Heimspiel für die Chemnitzer Korbjäger möglich.
Obwohl die NINERS im weiteren EuroCup-Verlauf als klarer Außenseiter gelten würden, wäre das Erreichen der KO-Phase im allerersten Teilnahmejahr sowohl sportlich als auch wirtschaftlich ein großer Erfolg. Der Weg dorthin ist aber wahrlich kein leichter, weil die „Orange Army“ momentan leider ein gutes Stück von ihrem Leistungsmaximum entfernt ist. Ohne zahlreiche Schlüsselspieler, dazu sieben Niederlagen in den letzten neun Pflichtpartien, durchleben die NINERS und ihre Fans momentan recht schwere Zeiten. Dennoch gilt es, den Kopf oben zu behalten, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste herauszuholen und den Rhythmus zu wahren, bis sich das Lazarett allmählich lichtet. Gegen Trento könnten bestenfalls schon Nike Sibande und John Newman aufs Feld zurückkehren. Beim Heimspiel am Samstag gegen den MBC wäre dann auch Eric Washington wieder spielberechtigt und spätestens nach der Länderspielpause Ende Februar sollen Amadou Sow sowie Julian Steinfeld ihren Wiedereinstand feiern. In voller Besetzung ist mit den NINERS definitiv zu rechnen. Gleichwohl muss man sich nach all den Verletzungen im bisherigen Saisonverlauf auch selbst die Daumen drücken, dass irgendwann einmal alle Spieler wirklich gesund bleiben.
Eine ähnliche Phase, wenngleich nicht in dieser Ausprägung, hatte der nächste Gegner Dolomiti Trento im ersten Saisondrittel. Davon konnten auch die NINERS profitieren, als sie Mitte November bei den Italienern triumphierten, denen seinerzeit mit DJ Steward (14.0 Punkte pro EuroCup-Partie) und Matas Jogela (10.4) zwei ganz wichtige Akteure fehlten. Beide Leistungsträger sind mittlerweile zurück und bilden mit Topscorer Devante Jones (17.9), Andrej Jakimovski (11.9), Khalif Battle (8.6), Jordan Bayehe (8.4), Peyton Aldridge (7.6), Cheikh Niang (6.8), Selom Mawugbe (3.9) und Patrick Hassan (2.3) ein leistungsstarkes sowie auf allen Positionen doppelt besetztes Team. Vor allem aber scheint das System von Headcoach Massimo Cancellieri immer besser zu greifen. Der Italiener erlernte über sechs Jahre hinweg beim EuroLeague-Club Armani Mailand als Assistenztrainer alle Feinheiten des europäischen Basketballs, sammelte dann als Headcoach bei CSP Limoges, SIG Straßburg und PAOK Thessaloniki reichlich Auslandserfahrung, ehe er letzten Sommer in sein Heimatland zurückkehrte und die Geschicke von Dolomiti Trento übernahm. Hier stellte sich nach einem holprigen Saisonstart bald der Erfolg ein, so dass die Trentiner wettbewerbsübergreifend zwölf ihrer letzten 17 Pflichtspiele gewannen. Darunter auch zahlreiche Siege gegen Topteams, beispielsweise Bourg, Besiktas Istanbul, Podgorica und Ulm im EuroCup, Champions-League-Teilnehmer Trieste in der heimischen italienischen Liga und am Sonntag sogar EuroLeague-Club Virtus Bologna. Auffallend ist, dass Trento viele knappe Spiele gewinnt – 91:90 gegen Podgorica, 89:87 über Trieste, 88:87 gegen Panionios Athen, 94:93 bei Lietkabelis Panevezys oder eben das jüngste 87:85 in Bologna. Die „Crunchtime“ scheint den Italienern zu liegen, was die Aufgabe für Chemnitz nicht leichter macht. Vielleicht aber hat der EuroCup mal wieder seine eigenen Gesetze und den NINERS gelingt mit weit über 3.500 Fans im Rücken ein ganz besonderer Coup.
TERMINE
BKT EuroCup: NINERS Chemnitz vs. Dolomiti Energia Trento, Mittwoch, 04.02.2026, 19:00 Uhr, Messe Chemnitz
easyCredit BBL: NINERS Chemnitz vs. SYNTAINICS MBC, Samstag, 07.02.2026, 18:30 Uhr, Messe Chemnitz
BKT EuroCup: Turk Telekom Ankara vs. NINERS Chemnitz, Mittwoch, 11.02.2026, 17:00 Uhr, Ankara Spor Salonu