27.12.2017 11:05 Alter: 27 days
Kategorie: Niners, Startseite

Dramatisches X-Mas-Game

Parker hat das letzte Wort!


Über 4.600 Zuschauer erlebten am Samstag in der großen Messehalle eines der denkwürdigsten Spiele der Chemnitzer Basketballhistorie und ein wahres Wechselbad der Gefühle. Den besseren Start erwischten die Karlsruhe Lions, wehrten auch eine Aufholjagd der gastgebenden NINERS ab und lagen zu Beginn der zweiten Halbzeit noch mit neun Zählern in Front. Dann setzten Sachsens beste Korbjäger zum Gegenschlag an, sahen sechs Minuten vor Schluss beim Stand von 77:64 schon fast wie der sichere Sieger aus. Doch die Gäste machten ihrem Namen alle Ehren, kämpften wie die Löwen und wurden in letzter Sekunde von Glücksgöttin Fortuna geküsst, die Orlando Parkers finalen Dreier zum 85:84-Auswärtssieg durch den Ring lenkte. „Das war ein fantastisches Match, in dem beide Teams den Sieg verdient hätten“, bestätigte Lions-Coach Michael Mai, während NINERS-Trainer Rodrigo Pastore um Fassung rang: „Dieses Ende müssen wir erst einmal verdauen.“ 

Reichlich Aufarbeitung bedurfte auch das Startviertel, in dem die NINERS vor der Saisonrekordkulisse der 2. Basketball-Bundesliga zwar offensiv ansprechend auftraten, hinten aber einfach keinen Zugriff auf Karlsruhe bekamen. Vor allem Richard Williams sowie der Ex-Chemnitzer Craig Bradshaw fanden immer wieder Lücken in der Verteidigung des Pastore-Teams und führten ihre Mannen zu einem 24:18-Vorsprung. Während der ersten Viertelpause justierten sich die Chemnitzer neu und ließen den Lions fortan weniger Raum. Obendrein kamen Malte Ziegenhagen, Joe Lawson sowie Andy Mazurczak nun offensiv immer besser in Fahrt, egalisierten schnell den Rückstand und Brad Tinsley stellte dann sogar auf 38:34 für Chemnitz. Gästetrainer Mai reagierte mit einer Auszeit und fand offenbar die richtigen Worte, denn die Lions übernahmen jetzt nicht nur abermals das Kommando, sondern holten sich durch einen „Buzzerbeater“ des Deutsch-Amerikaners Jeramie Woods pünktlich mit der Halbzeitsirene sogar die Führung zurück – Spielstand 43:42 für Karlsruhe. 

Nach dem Seitenwechsel hatten die Residenzstädter weiter Oberwasser und in Orlando Parker sowie Richard Williams zwei eiskalte Vollstrecker, welche den Vorsprung auf 51:42 ausbauten. Dieses Mal nahm Pastore die Auszeit und erwies beim Griff in die Trickkiste das richtige Händchen. Mazurczak und Lawson attackierten nun mehrfach aus dem „Pick-and-Roll“ heraus erfolgreich den Korb und als Karlsruhe daraufhin versuchte, die Zone dicht zu machen, schlug eben Malte Ziegenhagen von der Dreierlinie zu. So verwandelten die NINERS binnen acht Minuten einen 9-Punkte-Rückstand in eine 10-Punkte-Führung und eine durchaus schon vorher recht stimmungsvolle Chemnitz-Arena in einen wahrhaft überkochenden Hexenkessel.

Angepeitscht vom euphorischen Publikum gaben Sachsens beste Korbjäger im finalen Spielabschnitt weiter Gas und bogen fast schon auf die Siegerstraße ein, als Mazurczak sieben Minuten vor Schluss zum 77:64 traf. Doch im Angesicht des nahenden Triumphes machte sich auf Chemnitzer Seite plötzlich große Nervosität breit. „Wir hatten bis dahin unsere beste Saisonleistung gezeigt, erlaubten uns dann aber ein paar kleine Fehler und schon war Karlsruhe wieder dran“, bedauerte Pastore im Nachgang vor allem jene fünf Minuten, in denen seinen Spielern förmlich das Pech an den Händen klebte, die Lions folgerichtig Punkt um Punkt verkürzten und letzten Endes sogar durch einen Dreier von Craig Bradshaw wieder mit 78:77 in Front gingen.

Noch hatten die NINERS aber eine Auszeit übrig und zwei Minuten Zeit. „Wir wollten dieses Match unbedingt gewinnen und warfen alles in die Waagschale“, bestätigte Lawson, der die Führung nicht nur per Korbleger auf Chemnitzer Seite zurückholte, sondern 19 Sekunden vor Ultimo auch beeindruckende Nervenstärke an der Freiwurflinie zeigte und beide Versuche zum 84:82 einnetzte. Im letzten Angriff wurde der Centerbrocken sogar fast zum großen Helden, als er Karlsruhes Topscorer Williams beinahe den Ball stiebitzte, aber zwischen allen NINERS hindurch landete das Leder doch noch irgendwie bei Orlando Parker. Der routinierte US-Forward drückte über den heranrauschenden Tinsley ab, die Kugel flog in hohem Bogen, senkte sich genau durch den Ring und mitten ins Chemnitzer Basketballherz – 85:84 für Karlsruhe. Auswärtssieg der Lions. Totenstille in der Arena. „Wir waren so nah dran und verlieren dann mit dem allerletzten Wurf. Das ist sehr bitter, aber es ist eben auch Teil unseres geliebten Sports. So ungewöhnlich es heute Abend klingen mag, werden wir alle aus jener Niederlage lernen und mit diesem Erlebnis wachsen“, war sich Rodrigo Pastore trotz der allgemeinen Enttäuschung sicher, dass er und seine NINERS wieder aufstehen und noch stärker zurückkommen werden. 

 

STATISTIK:

NINERS Chemnitz vs. PS Karlsruhe Lions 84:85 (18:24, 24:19, 26:15, 16:27), 4.613 Zuschauer 

Ziegenhagen (25 Punkte), Mazurczak (18), Lawson (16), Tinsley (8), Lodders (7), Fleischmann (6), Parker (2), Wendler (2), Mixich (0), Richter (0), Hoppe (nicht eingesetzt), Jones (nicht eingesetzt)

 

TERMINE:

Baunach Young Pikes vs. NINERS Chemnitz, Donnerstag, 28.12.2017, 19:00 Uhr, Graf-Stauffenberg-Halle

NINERS Chemnitz vs. TEM EHINGEN URSPRING, Samstag, 06.01.2018, 19:00 Uhr, Richard-Hartmann-Halle