Die Zweitligabasketballer der BV Chemnitz 99 haben am Samstagabend den zweiten Sieg in Folge geholt. Vor knapp 1.500 Zuschauern setzte sich das Team von Cheftrainer Felix Schreier gegen die ETB Wohnbau Baskets Essen mit 82:64 durch. Überragender Spieler war wieder einmal Mannschaftskapitän Gary Johnson, der nicht nur 29 Punkte bei überragenden Trefferquoten erzielte, sondern sich zudem auch noch fünf Rebounds angelte und sechs Assist verteilte. "Insgesamt war es aber eine starke Leistung des gesamten Teams. Wir sind entschlossen zum Rebound gegangen, haben engagiert verteidigt und im Angriff geduldig freie Würfe herausgespielt. Gerade die 21 Assists bestätigen unser tolles Teamplay", freute sich Schreier über den Sieg.
Der Chemnitzer Headcoach legte den Fokus im Training zuletzt wieder mehr auf die Verteidigung, nachdem man zu Jahresbeginn gegen Heidelberg und Weißenfels jeweils über 90 Punkte kassiert hatte. Die Fortschritte im Defensivverhalten machten sich am Samstag gleich zu Spielbeginn deutlich bemerkbar. So ließen die NINERS in den ersten acht Minuten gerade einmal zwei Essener Punkte zu. Auf der Gegenseite suchte das BV-Team immer wieder konsequent den Weg zum Korb und war dort vor allem dank der starken Center Joleik Schaffrath und Ty Shaw erfolgreich. So stand nach dem ersten Viertel bereits eine relativ deutliche 16:7-Führung zu Buche.
Dieser Trend setzte sich auch zu Beginn des zweiten Spielabschnittes nahtlos fort und als dann auch noch Takumi Ishizaki, Gary Johnson sowie Alexander Rosenthal binnen weniger Minuten drei Dreier versenkten, wuchs der Vorsprung schnell auf 20 Punkte an (30:10). Gästetrainer Igor Krizanovic hatte genug gesehen und versuchte seine Spieler in einer Auszeit aus ihrem kollektiven Tiefschlaf zu wecken. Die deftige Ansprache des Serben zeigte Wirkung und so verkürzte Essen bis zur Halbzeitpause immerhin auf 19:35. "In der ersten Hälfte war unsere Verteidigung wirklich sehr stark, wobei man ehrlicherweise aber auch sagen muss, dass die Baskets einige leichte Punkte liegen ließen", verwies Schreier darauf, dass Essen in der ersten Halbzeit lediglich drei von zwölf Freiwürfen verwandelte und aus dem Zweierbereich ganze 16 Würfe daneben setzte.
Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich dann aber genau jenes Spiel, welches Schreier vorab prophezeit hatte, nämlich ein Duell zweier guter Mannschaften auf Augenhöhe. Während bei Chemnitz in dieser Phase vor allem Johnson und Schaffrath scorten, konnten sich auf Gästeseite insbesondere Chris Alexander, Scharfschütze Patrick Carney und der bullige Powerforward Joseph James Henley auszeichnen. Begünstigt durch einige unglückliche Fouls der NINERS drückte Essen seinen Rückstand zwischenzeitlich sogar wieder in den einstelligen Bereich (45:36). Doch gerade als die Baskets etwas Morgenluft schnupperten, sorgten Alex Rosenthal und Jorge Schmidt mit zwei staubtrockenen Dreiern erneut für klare Verhältnisse. So ging das BV-Team mit einer doch recht komfortablen 14-Punkte-Führung in die letzte Viertelpause (56:42).
Zu Beginn der finalen zehn Minuten mobilisierten die Gäste noch einmal ihre letzten Reserven und versuchten mit aller Macht eine Trendwende herbeizuführen. Doch obwohl Henley und Carney jetzt immer wieder für Essen scorten, hatten die NINERS stets eine Antwort – oder besser gesagt "einen Johnson" parat. Der BV-Kapitän lief nun richtig heiß und verwandelte binnen 100 Sekunden drei Dreier. Als dann jedoch sein vierter Versuch nicht fallen wollte, übernahm einfach Takumi Ishizaki und streute ebenfalls zwei Würfe vom Perimeter ein. "Am Ende haben wir die Dreier ja sogar besser als die Freiwürfe getroffen", schmunzelte Schreier über die herausragende Quote von der 6.75m-Linie. Für die endgültige Entscheidung sorgte schließlich Joleik Schaffrath, der sich zwei Minuten vor Schluss auch durch ein Foul des Essener Centers Sebastian Schröter nicht stoppen ließ und sowohl den Korbleger als auch den anschließenden Bonusfreiwurf zum 80:60 verwandelte. Aufgrund des deutlichen Vorsprungs konnte Schreier jetzt auch Mario Nagler und erstmals in dieser Saison Nachwuchstalent Jonas Gröning einwechseln. Der 18-Jährige wusste die Spielzeit gleich zu nutzen, erkämpfte sich zunächst einen Rebound und spielte wenig später einen schönen Pass auf Jorge Schmidt, der freistehend unter dem Korb zum 82:62 vollstreckte. "Jonas plagte sich die gesamte Hinrunde mit einer komplizierten Fußverletzung. Jetzt ist er aber endlich wieder fit und hat sich mit guten Trainingsleistungen sein ProA-Debüt verdient", lobte Schreier.
Durch den achten Sieg im zehnten Heimspiel dieser Saison festigten die NINERS ihren fünften Tabellenplatz und haben die Playoffs weiter fest im Visier. Wirklich sicher ist die Teilnahme aber noch nicht. "Im Mittelfeld der zweiten Liga geht es sehr eng zu. Deshalb glaube ich, dass wir in den verbleibenden neun Partien noch mindestens vier Siege holen müssen, um unter den besten acht Mannschaften zu landen. Allerdings müssen wir jetzt gegen viele starke Teams antreten", weiß Schreier, dass seiner seiner Mannschaft noch ein langer Weg bevorsteht. Dieser führt nächstes Wochenende erst einmal zu den Cuxhaven BasCats, mit denen die NINERS noch eine Rechnung offen haben. "Cuxhaven hat uns im Hinspiel in eigener Halle regelrecht vorgeführt. Das haben wir nicht vergessen und werden deshalb alles geben, um uns zu revanchieren."
STATISTIK:
Johnson (29 Punkte), Schaffrath (15), Ishizaki (11), Rosenthal (8), Shaw (7), Schmidt (7), Lawson (3), Stachula (2), Gröning, Nagler
STATIONEN:
8:2 (5. Minute), 16:7 (10.), 29:10 (15.), 35:19 (20.), 45:31 (25.), 56:42 (30.), 68:57 (35.), 82:64 (40.)
Matthias Pattloch