Am Samstagabend lieferten sich
die Basketballzweitligisten Nürnberger BC und BV Chemnitz 99 ein
intensives, spannendes und bisweilen hochdramatisches Duell. Dabei
schienen die NINERS zu Beginn des letzten Viertels bereits auf die
Siegerstraße einzubiegen, als man sich vor knapp 1.100 Zuschauern in
der Nürnberger BBZ-Halle eine 8-Punkte-Führung erarbeitete. Doch
die Gastgeber kamen wieder zurück, drehten die Partie und setzten
sich letztlich nach Verlängerung mit 70:68 durch. Bezeichnend für
den Spielverlauf war die schwache Wurfquote der Chemnitzer, die unter
anderem nur drei von 24 Dreiern trafen und zudem fast die Hälfte
ihrer Freiwürfe vergaben. Dementsprechend fiel dann auch das Fazit
von BV-Cheftrainer Felix Schreier aus: "Wir haben über weite
Strecken genau das umgesetzt, was wir geplant hatten – stark
verteidigt, Nürnbergs besten Scorer Jaivon Harris aus dem Spiel
genommen und uns kaum einfache Ballverluste geleistet. Aber in einem
Sport, wo es in erster Linie darum geht, den Ball durch den Ring zu
werfen, waren wir heute einfach nicht gut genug. Und wer nicht
trifft, geht halt zurecht als Verlierer vom Feld."
Von der ersten Minute an wurde
die Partie zwischen Nürnberg und Chemnitz durch aggressive
Verteidigung, aber auch durch allenfalls mäßige Trefferquoten
geprägt. Dabei bewegten sich beide Teams bis Mitte des Startviertels
zunächst auf Augenhöhe (8:8), doch dann fanden die Gastgeber
allmählich ihren offensiven Rhythmus und gingen dank eines schönen
"Buzzerbeaters" von Juan Reile mit einer 18:13-Führung in die
erste Pause. Zu Beginn des zweiten Abschnitts konnten Gary Johnson
und Alex Rosenthal den Rückstand aber fast wieder egalisieren.
Erneut blieb die Partie bis Viertelmitte extrem eng (23:21), nur um
sich im Anschluss abermals zugunsten der Nürnberger zu entwickeln,
die letztlich zur Halbzeitpause mit 33:29 verdientermaßen vorn
lagen.
Nach dem Seitenwechsel setzte
sich dieser Trend fort und die Gastgeber bauten ihren Vorsprung sogar
bis auf acht Zähler aus (40:32). Gerade noch rechtzeitig fanden
Johnson, Ty Shaw und Joleik Schaffrath mit einem schnellen 6:0-Lauf
die richtige Antwort. Nürnbergs Trainer Derrick Taylor nahm umgehend
eine Auszeit, doch auch danach blieben die NINERS weiter am Drücker
und konnten vor allem durch den bärenstarken Philipp Stachula bis
zum Viertelende auf 44:44 ausgleichen. Das Momentum lag nun klar auf
Seiten des Schreier-Teams, welches zu Beginn des vermeintlich letzten
Spielabschnittes endlich wieder in Führung ging und knapp sechs
Minuten vor Schluss sogar mit acht Zählern vorn lag (56:48). "Bei
einem Spiel, in dem so wenige Punkte fallen, war das schon eine sehr
gute Ausgangsposition für die Schlussphase. Wenn wir dort noch
zwei-, dreimal scoren, ist der Sieg vermutlich unser", trauerte
Schreier den vergebenen Chancen nach.
In den nächsten fünf Minuten
waren seine Schützlinge ganze zehn Mal im Angriff. Drei Versuche
endeten in einem Ballverlust und von den sieben verbliebenen
Wurfmöglichkeiten fand nur ein einziger Versuch von Takumi Ishizaki
den Weg durch die Reuse. Auf der Gegenseite kamen die Gastgeber nun
dreimal hintereinander mit fast dem selben Spielzug zum Erfolg: Der
frühere Chemnitzer Jaivon Harris hielt lange den Ball, zog zwei
Verteidiger auf sich, passte im letzten Moment auf seinen
amerikanischen Landsmann Will Chavis, der von der Dreierlinie eiskalt
verwandelte und plötzlich lagen die NINERS mit 58:61 hinten. Bei 13
Sekunden Restspielzeit musste jetzt ein Dreier her, aber BV-Kapitän
Johnson blieb auch in seinem mittlerweile sechsten Versuch von
draußen glücklos. Allerdings erkämpften sich die NINERS den
Rebound und so machte Co-Kapitän Ty Shaw mit der Schlusssirene doch
noch den Ausgleichstreffer.
Das Momentum lag nach der
spektakulären Aufholjagd aber dennoch auf Seiten der Hausherren und
die Verlängerung begann geradezu perfekt für Nürnberg. Erst musste
BV-Spielmacher Ishizaki mit seinem fünften Foul vom Feld und dann
erzielte Chavis vier schnelle Punkte. Als wenig später der
überragende Ryan De Michael (20 Punkte, 17 Rebounds, 5 Blocks!) auch
noch einen Dreier zum 68:63 für die Franken verwandelte, schien das
Spiel fast schon entschieden. Aber die NINERS kämpften sich mit
letzter Kraft zurück und kamen durch Punkte von Shaw und Johnson
wieder auf 67:68 heran. Nach einem schnellen taktischen Foul musste
Nürnbergs Chavis an die Freiwurflinie, wo er jedoch die Nerven
behielt und 20 Sekunden vor Schluss den NBC-Vorsprung erneut auf drei
Zähler ausbaute. Die Situation war also wie gegen Ende der regulären
Spielzeit. Chemnitz brauchte unbedingt den Dreier zum Ausgleich.
Jorge Schmidt vergab die erste Chance, aber Donald Lawson holte den
Offensivrebound. Dann versuchte es Gary Johnson, leider erneut
vergeblich, doch der Ball landete noch einmal in Chemnitzer Händen
und letztlich wurde Ty Shaw bei seinem Dreier von Harris gefoult.
Folglich bekam der "Tiger" drei Freiwürfe zugesprochen. Der
erste rauschte sicher durch den Ring, der zweite nicht und so musste
Shaw den dritten absichtlich verwerfen, aber der finale
Tip-In-Versuch von Lawson ging leider weit daneben. Die Schlusssirene
ertönte und Nürnberg verließ als strahlender und durchaus
verdienter Sieger das Parkett.
"Diese Niederlage ist sehr
ärgerlich, weil wirklich mehr drin gewesen wäre, wenn bei uns nicht
alle Shooter so schlecht von draußen getroffen hätten", hob
Schreier hervor, dass die vermeintlichen Scharfschützen Johnson,
Schmidt und Ishizaki nur einen einzigen von 20 Dreiern verwandelten.
"Am meisten tut mir die Niederlage für unsere Fans leid. Es waren
ja wieder 100 Chemnitzer da, aber wie schon in Jena und Weißenfels
konnten wir die vielen treuen Anhänger nicht mit einem Auswärtssieg
belohnen", bedauerte Schreier, richtete dann aber den Blick schon
wieder nach vorn: "Wenn es in fremder Halle noch nicht klappt, dann
müssen wir eben gerade unsere Heimspiele gewinnen. Am besten
natürlich schon nächsten Samstag, 19 Uhr, gegen die Saar-Pfalz
Braves."
STATISTIK:
Stachula (14 Punkte), Johnson (12), Shaw (12), Ishizaki (11), Lawson
(8), Schaffrath (5), Rosenthal (4), Schmidt (2)
STATIONEN:
8:8 (5. Minute), 18:13 (10.), 28:23 (15.), 33:29 (20.), 40:38 (25.),
44:44 (30.), 48:56 (35.), 61:61 (40.), 70:68 (45.)
Matthias Pattloch