Die BV Chemnitz 99 hat in der 2. Basketballbundesliga den ersten Sieg im neuen Jahr geholt. Am Sonntagabend setzte sich das Team von Cheftrainer Felix Schreier vor 500 Zuschauern beim Tabellenletzten BG Leitershofen/Stadtbergen völlig verdient mit 80:68 (38:30) durch. Bester Werfer der NINERS war erneut Kapitän Gary Johnson mit 24 Punkten. Der US-Boy trug außerdem mit neun Rebounds wesentlich dazu bei, dass die BV-Korbjäger den Ausfall ihres Center-Routiniers Ty Shaw sehr gut kompensieren konnten. Der 32-Jährige laboriert an einer Fußverletzung und wurde vorsichtshalber geschont. "Im Notfall hätte ich ihn bringen können, aber die anderen sind super in die Bresche gesprungen und haben die Punkte auch so geholt. Gegen Essen sollte Ty dann aber wieder mit dabei sein", warf Schreier den Blick bereits auf das nächste Heimspiel, welches diesen Samstag, den 28. Januar, um 19 Uhr in der Richard-Hartmann-Halle steigt. Eintrittskarten sind wie üblich im CVAG-Mobilitätszentrum (Zentralhaltestelle) und an den Abendkassen erhältlich.
Trotz der vermeintlich klaren Rollenverteilung hatte Schreier eindringlich davor gewarnt, den Tabellenletzten Leitershofen zu unterschätzen. Denn einerseits hatten sich die Bayern zuletzt mit den erfahrenen Profis Jan Lipke sowie Dewayne Richardson verstärkt und andererseits fehlte auf Chemnitzer Seite mit Shaw vor allem ein wichtiger Mann im Reboundkampf. Seine Abwesenheit machte sich dann auch gleich zu Spielbeginn deutlich bemerkbar, wo die Gastgeber zahlreiche Abpraller am offensiven Brett einsammelten und dadurch immer wieder über zweite Wurfchancen punkten konnten. So blieb die Partie im gesamten Startviertel ausgeglichen und erst ein Dreier von Johnson in letzter Sekunde sicherte den NINERS eine knappe 17:13-Führung nach 10 Minuten.
Zu diesem Zeitpunkt hatte BV-Center Donald Lawson allerdings schon sein drittes Fouls kassiert und weil auch Joleik Schaffrath bereits zweimal verwarnt wurde, sah Schreier einige Probleme auf sich zukommen: "Durch Ty's Ausfall war die frühe Foulbelastung unserer großen Spieler durchaus gefährlich. Aber ich muss Donald, Joleik und auch Alex Rosenthal ein Lob aussprechen, weil sie anschließend in der Defensive sehr clever agiert und weitere Pfiffe vermieden haben." Positiv war auch, wie vor allem die deutschen BV-Akteure auftraten und Mitte des zweiten Spielabschnittes fast im Alleingang den Chemnitzer Vorsprung auf neun Punkte ausbauten (35:26). Insgesamt konnten Schaffrath, Rosenthal, ein glänzend aufgelegter Jorge Schmidt und Philipp Stachula in Leitershofen 38 Zähler, also fast die Hälfte aller NINERS-Punkte, erzielen. Für das letzte Highlight der ersten Hälfte sorgte dann aber Takumi Ishizaki mit einem staubtrockenen Dreier zum 38:30.
Fast schon typisch für diese Saison tat sich das BV-Team direkt nach dem Seitenwechsel jedoch wieder einmal sehr schwer, auf Betriebstemperatur zu kommen. So konnten die Kangaroos aus Leitershofen zwischenzeitlich bis auf 36:40 verkürzen. Allerdings hatte Johnson mit zwei Dreiern gerade noch rechtzeitig die richtige Antwort parat und dann erwies Jan Lipke seiner Mannschaft einen Bärendienst. Der Bruder des ehemaligen Chemnitzers Tom Lipke reklamierte lautstark bei den Schiedsrichtern, was diese umgehend mit einem technischen Foul ahndeten. Jene Chance nutzten Johnson sowie Lawson eiskalt aus und wenig später stellte Schaffrath mit vier schnellen Punkten zum 54:38 die höchste BV-Führung im gesamten Spielverlauf her. In den verbleibenden drei Minuten bis zur letzten Pause wollte den NINERS offensiv aber nicht mehr viel gelingen und so war das Spiel beim Stand von 56:45 vor dem Schlussabschnitt noch lange nicht entschieden.
Mit Beginn des letzten Viertels wollten die Chemnitzer Korbjäger den Sack allerdings endgültig zumachen und bauten die Führung erneut auf 15 Punkte aus (64:49). Doch der Gastgeber hatte sich noch nicht aufgegeben, mobilisierte die letzten Kräfte und aus BV-Sicht kam erschwerend hinzu, dass Lawson sowie Schaffrath jetzt ihr jeweils viertes Foul kassierten. Folgerichtig mussten sich die NINERS in der Defensive etwas zurücknehmen und Leitershofen nutzte die Freiräume, um vier Minuten vor Spielende auf 56:64 zu verkürzen. Der Druck stieg, aber Jorge Schmidt blieb ganz cool und stoppte mit dem Glück des Tüchtigen und einem Dreier übers Brett die Aufholjagd der Kangaroos. Als Johnson wenig später seinen fünften Treffer vom Perimeter zum 70:57 einstreute, war die Messe endgültig gelesen. In den verbleibenden Minuten gaben sich die BV-Hünen an der Freiwurflinie keine Blöße und brachten ihren Vorsprung sicher über die Zeit.
"Das war eine gute Leistung des gesamten Teams. Neben unserer engagierten Verteidigung und starken Dreierquote freue ich mich besonders über die Assists von Takumi Ishizaki. Daran hatten wir im Training extra gearbeitet und 'Ishi' hat die Vorgaben super umgesetzt", lobte Schreier seinen japanischen Pointguard, der mit sieben Vorlagen einen neuen persönlichen Bestwert im NINERS-Dress aufstellte. Durch den zehnten Erfolg im 18. Saisonspiel klettert die BV Chemnitz 99 in der Tabelle wieder auf Platz fünf. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt allerdings nicht, wie Headcoach Schreier betont: "Die Jungs haben am Montag erst einmal frei. Doch ab Dienstag müssen wir uns hochkonzentriert auf das wichtige Duell gegen Essen vorbereiten. Hierfür wünsche ich mir eine volle Halle und dass wir mit den Fans im Rücken dann auch den ersten Heimsieg 2012 einfahren."
STATISTIK: Johnson (24 Punkte), Schmidt (13), Schaffrath (13), Lawson (10), Ishizaki (8), Stachula (6), Rosenthal (6), Daghofer
Matthias Pattloch