Die Basketballer der BV Chemnitz 99 haben auch das zweite Ostderby dieser Saison verloren. Gut eine Woche nach der 66:80-Schlappe in Weißenfels zogen die NINERS am Mittwochabend beim alten Rivalen Science City Jena mit 62:71 den Kürzeren. "Die Niederlage ist absolut verdient. Jena hat uns mit seiner aggressiven Verteidigung den Schneid abgekauft und besser als Team gespielt, während wir uns gerade im Angriff zu oft auf Einzelaktionen beschränkten", resümierte BV-Cheftrainer Felix Schreier. Einen weiteren Grund für die Pleite sah der 22-Jährige im Reboundverhalten seines Teams: "Wir sind einfach nur mitgesprungen, anstatt schon vorher den Körperkontakt zu suchen und richtig auszuboxen. Da braucht man sich dann auch nicht wundern, wenn man das Reboundduell gegen ein athletisches Team wie Jena deutlich verliert."
Obwohl das traditionsreiche Ostderby an einem reise-unfreundlichen Wochentag stattfand, machten sich rund 200 BV-Anhänger auf den Weg nach Jena, um die NINERS lautstark zu unterstützen. Allerdings ließen sich die Chemnitzer Korbjäger von den Anfeuerungsrufen ihrer Fans in der ersten Halbzeit leider kaum beflügeln. In der Defensive stand man oftmals zu weit weg vom Gegner, der die freien Würfe eiskalt verwandelte, und vorn gelang es nur selten, die eigenen Systeme konsequent durchzulaufen. Folgerichtig erzielte das BV-Team im ersten Viertel nur magere elf Zähler, während Jena deren 17 machte. Zwar kamen die NINERS vor allem dank Takumi Ishizaki, der trotz einer Kapselverletzung im Sprunggelenk spielte, zu Beginn des zweiten Viertels auf 21:24 heran, doch schnell schlichen sich wieder alte Fehler ein. Guten Schützen wie Eric Vierneisel und Tim Schwartz wurde zu viel Platz gewährt, abermals ließ man mehrere Offensivrebounds der Gastgeber zu und das eigene Angriffsspiel reduzierte sich auf Einzelaktionen. Zu allem Übel kassierte BV-Coach Schreier kurz vor der Halbzeitpause auch noch ein technisches Foul, so dass die NINERS mit einem doch recht deutlichen 27:38-Rückstand in die Kabine gehen mussten.
Bis dahin schien es, als hätten allein die Jenaer Spieler verstanden, welche Intensität man in einem Ostderby an den Tag legen sollte. Doch nach dem Seitenwechsel stellten die NINERS endlich unter Beweis, dass es auch ihnen nicht an Herz mangelte. Obwohl offensiv wahrlich noch nicht alles rund lief, kämpften sich die BV-Hünen jetzt mit leidenschaftlicher Verteidigung und engagierter Reboundarbeit zurück. Mühsam wie ein Eichhörnchen knabberten Johnson, Lawson und Co am Vorsprung der Gastgeber. Zum Ende des dritten Viertels war Chemnitz dann endgültig dran, als Jorge Schmidt von der Dreierlinie und Ty Shaw per Freiwurf auf 46:47 verkürzten. Weil sich mit der Schlusssirene auch noch Jenas Kenny Barker ein technisches Foul einhandelte, hatten die NINERS zu Beginn des finalen Spielabschnittes sogar die Chance, erstmals in Führung zu gehen. Zwar traf Kapitän Johnson nur einen Freiwurf, aber Ishizaki ließ direkt einen Dreier zum 50:47 für Chemnitz folgen. Das Spiel schien nun zugunsten der BVC zu kippen und die mitgereisten Fans dominierten mit ihren "Defense-Rufen" die Stimmung im altehrwürdigen Sportkomplex Lobeda. Doch die NINERS konnten das Momentum einfach nicht nutzen. Stattdessen leistete man sich abermals leichte Ballverluste, gestattete dem Scharfschützen Vierneisel zu freie Würfe oder schenkte den Gastgebern mit unnötigen Fouls leichte Punkte an der Freiwurflinie. Eh man sich versah, hatte Jena den 47:50-Rückstand in eine 58:52-Führung gedreht und diese gaben die Thüringer in der "Crunchtime" nicht mehr ab.
"Wir haben in der ersten Halbzeit weit unter Normalform gespielt und am Ende waren wir nicht clever genug. Aber das dritte Viertel hat gezeigt, dass wir jeden Gegner vor Probleme stellen können, wenn wir unser Potential ausschöpfen", versuchte Schreier trotz der Derbyniederlage neuen Mut zu schöpfen. Ein gesundes Selbstvertrauen werden seine Schützlinge auch brauchen, wenn man am Samstag zum schweren Auswärtsspiel in Essen antritt. Die Gastgeber gehen völlig ausgeruht in die Partie, hatten sie ihr letztes Pflichtspiel doch am 3. Oktober, während die NINERS seit dem Tag der Deutschen Einheit gleich zwei Partien bestreiten mussten.
Doch nicht nur dieser kleine Regenerationsnachteil, welcher die BV Chemnitz 99 aufgrund der Spielplangestaltung als einzigen Zweitligisten während der gesamten Saison und gerade in "englischen Wochen" verfolgen wird, macht die Aufgabe in Essen so anspruchsvoll. Denn schon der Gegner an sich stellt eine große Hürde dar. Schließlich haben die ETB Wohnbau Baskets im Sommer groß aufgerüstet und wollen ein ernstes Wörtchen um die Playoffplätze mitsprechen. So verpflichtete Essen in US-Boy Joseph-James Henley ein echtes Kraftpaket für die Innenpositionen, der letzte Saison noch 22 Punkte und neun Rebounds für ProB-Ligist Wulfen auflegte. Zweiter namhafter Neuzugang ist sein Landsmann Bobby Nash, welcher zuvor bereits drei Jahre in Japan spielte und dort auch einige Male auf Takumi Ishizaki traf. Darüber hinaus vertieft der Combo-Guard Patrick Carney die Rotation des Ruhrpottclubs. Der Deutsch-Amerikaner machte zuletzt mit durchschnittlich 24 Punkten in der Regionalliga auf sich aufmerksam.
Diesem sehr potenten Trio steht mit Steven-Michael Esterkamp eigentlich nur ein bedeutender Abgang entgegen, konnte Essen doch die anderen Leistungsträger Chris Alexander, Kendall Chones, Marco Buljevic, Sebastian Schröter und Dario Fiorentino allesamt halten. So verfügt ETB-Coach Igor Krizanovic nicht nur über einen qualitativ hochwertigen, sondern auch sehr tief besetzten Kader. Dennoch starteten die Baskets mit zwei Niederlagen gegen die ambitionierten Teams aus Homburg und Crailsheim. Beim Heimspiel gegen Aufsteiger Ehingen holte Essen schließlich seinen ersten Sieg (81:71). "Und sie werden gleich nachlegen wollen", ist Felix Schreier überzeugt, am Samstag auf einen hochmotivierten Kontrahenten zu treffen. Dennoch sagt der junge Coach: "Wenn wir endlich einmal über alle vier Viertel an unser Limit gehen, dann haben wir in Essen auch eine realistische Chance auf den Sieg. Leicht wird es allerdings nicht."
STATISTIK:
Ishizaki (18 Punkte), Johnson (17), Lawson (12), Schmidt (6), Shaw (5), Schaffrath (2), Stachula (2), Rosenthal
TERMIN:
ETB Wohnbau Baskets Essen – BV Chemnitz 99, Samstag, 15.10.2011, 19:30 Uhr, Essen
Matthias Pattloch