Die NINERS haben ihr Minimalziel erreicht und am vergangenen Wochenende immerhin einen Sieg aus zwei Partien eingefahren. Am Freitagabend setzte es beim Tabellenzweiten in Kirchheim zwar zunächst eine deutliche 54:74-Schlappe. Doch schon zwei Tage später konnte sich die BV Chemnitz 99 im Heimspiel gegen Karlsruhe mit einem klaren 88:71-Sieg rehabilitieren. Somit steht das Team von Cheftrainer Felix Schreier nach zehn Spieltagen in der 2. Basketballbundesliga bei einer ausgeglichenen Bilanz auf Platz neun und hat weiterhin alle Chancen, sich für die Playoffs zu qualifizieren. "Dafür müssen wir unter die besten acht Mannschaften kommen und dieses Ziel wollen wir nicht aus den Augen verlieren", freute sich Schreier über den Sieg gegen Karlsruhe.
Eigentlich wollten die BV-Korbjäger auch schon in Kirchheim ein ernstes Wörtchen um den Sieg mitreden, wenngleich die gastgebenden Knights als Favorit galten. Drei Viertel lang war von dieser vermeintlichen Rollenverteilung auf dem Spielfeld aber nichts zu sehen. Im Gegenteil, die NINERS machten den Hausherren das Leben schwer, überzeugten durch starke Verteidigung und lagen vor dem Schlussviertel nur mit einem einzigen Punkt hinten (45:46). Doch der letzte Spielabschnitt begann denkbar schlecht, als Kirchheim binnen zwei Minuten einen 11:0-Lauf aufs Parkett zauberte. "Allerdings blieb noch relativ viel Zeit und ich hätte mir gewünscht, dass wir konzentriert weiterspielen. Stattdessen haben wir versucht, den Anschluss zu erzwingen und überhastete Würfe genommen", gab Schreier die Spielentwicklung wieder, welche er trotz einer Auszeit nicht mehr aufhalten konnte. "Irgendwann hatte sich Kirchheim dann in einen Rausch gespielt und bei uns war die Moral am Boden. Ich bin etwas enttäuscht, weil das Endergebnis nicht wirklich das Kräfteverhältnis auf dem Parkett wiederspiegelt", war der 22-jährige Coach sichtlich angefressen.
Seiner Mannschaft ging es nicht anders und so fassten die Jungs um Kapitän Gary Johnson schon auf der 500 Kilometer langen Rückfahrt aus Kirchheim den Entschluss, sich so schnell wie möglich zu rehabilitieren. Die Gelegenheit dafür bot sich bereits 48 Stunden später, als die NINERS in ihrer heimischen Richard-Hartmann-Halle den alten Rivalen BG Karlsruhe empfingen. Obwohl diese Partie an einem Sonntag stattfand, kamen fast 1.800 Zuschauer und schraubten den Saisonschnitt auf 1.674 Besucher pro Partie. Nur Aufstiegsfavorit Weißenfels lockte bislang mehr Fans zu seinen Zweitligaspielen. Wichtiger aber ist, dass die Chemnitzer Zuschauerzahlen im Vergleich zur letzten Saison absolut stabil bleiben, auch wenn das BV-Team momentan nicht ganz oben mitspielt.
Die große Treue der Fans wollten die NINERS unbedingt rechtfertigen und boten gegen Karlsruhe von der ersten Minute an leidenschaftlichen Basketball. Zwar mochte zu Spielbeginn offensiv noch nicht alles gelingen, doch dafür knieten sich Johnson und Co in der Verteidigung um so mehr rein. Über eine zwischenzeitliche 6:0-Führung bauten die Schreier-Schützlinge ihren Vorsprung bis zur ersten Viertelpause auf 18:11 aus. Den zweiten Spielabschnitt eröffneten Philipp Stachula, Donald Lawson und Jorge Schmidt mit einem 7:0-Lauf. Wenig später brachten sich auch Alex Rosenthal sowie Takumi Ishizaki in das muntere "Scheibenschießen" ein und erhöhten von der Dreierlinie auf 33:17. Im Anschluss stellten dann jedoch die Karlsruher, allen voran der spätere Topscorer Martin Samarco, ihre individuelle Klasse unter Beweis. Binnen zwei Minuten markierte der US-Boy ganze elf Punkte, darunter drei staubtrockene Dreier. BV-Coach Schreier hatte genug gesehen und stoppte den 16:5-Lauf der Gäste mit einer Auszeit. Dort schien der 22-Jährige die richtigen Worte zu finden, denn bis zur Halbzeit ließ sein Team keinen einzigen Karlsruher Zähler mehr zu und schraubte so den Vorsprung abermals in zweistellige Gefilde (44:33).
Daran sollte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts mehr ändern, weil Chemnitz weiter wie entfesselt aufspielte, von einer traumhaften Dreierquote profitierte und die Gäste aus Baden im Gegenzug mehr und mehr in ihre Einzelteile zerfielen. Wenngleich so manche sehenswerte Aktion der Karlsruher Individualkünstler Samarco, Roessler und Stockton zum Erfolg führte, behielten die NINERS mit echtem Teamwork stets die Oberhand. Ganze 24 Assists waren der Beweis für ein tolles Zusammenspiel, bei dem sich sogar die üblichen BV-Scorer Johnson und Ty Shaw vornehm zurückhielten, aber dafür immer wieder ihre Mitspieler in Szene setzten. Hiervon profitierten an diesem Abend vor allem Takumi Ishizaki und Alex Rosenthal, die allerdings auch beide einen echten Sahnetag erwischten und nahezu aus allen Lagen sicher verwandelten.
Als "Ishi" zu Beginn des letzten Viertels seinen sechsten Dreier traf, wohlgemerkt im sechsten Versuch, kurz darauf mit herrlichem Zug zum Korb vollstreckte und dann auch noch Ty Shaw auf 73:51 erhöhte, war die Partie quasi entschieden. Dennoch lehnten sich die NINERS nicht zurück, sondern versetzten die vielen Zuschauer mit sehenswerten Aktionen immer wieder in Jubellaune. Erst zwei Minuten vor Schluss hielt der Schlendrian etwas Einzug ins Chemnitzer Spiel, doch Felix Schreier brachte seine Schützlinge per Auszeit schnell wieder auf Linie. So durfte sich letztlich sogar Eigengewächs Mario Nagler noch in die Punkteliste eintragen. Überragende Akteure des Abends waren aber Takumi Ishizaki mit 26 Punkten bei hundertprozentiger Trefferquote, Alex Rosenthal mit einem neuen Karrierebestwert von 23 Zählern sowie Donald Lawson. Der BV-Center legte nicht nur ein "Double-Double" aus zwölf Punkten und 13 Rebounds auf, sondern stellte auch den bislang stärksten Rebounder der Liga, Karlsruhes Justin Howard, absolut kalt.
"Wir wollten dem Gegner von Beginn an mit engagierter Verteidigung den Schneid abkaufen und das ist uns absolut gelungen. Dass wir dann auch noch mehr als die Hälfte unserer Dreier getroffen haben, war natürlich klasse. Ich habe mich besonders über die Punkte von Ishi und Alex gefreut, die im Training immer alles geben und sich jetzt auch mal im Spiel belohnt haben", war Felix Schreier nach der Partie rundum zufrieden. An die gute Leistung gegen Karlsruhe wollen die NINERS nun beim Spiel in Nürnberg unbedingt anknüpfen. Das sächsisch-fränkische Derby steigt nächsten Samstag um 19:30 Uhr im Nürnberger Berufsbildungszentrum und das BV-Team hofft bei dieser schweren Partie natürlich auf die lautstarke Unterstützung der Chemnitzer Fans.
STATISTIK vs. Karlsruhe
Ishizaki (26 Punkte), Rosenthal (23), Lawson (12), Schmidt (10), Stachula (6), Shaw (4), Johnson (3), Schaffrath (2), Nagler (2), Daghofer
STATISTIK vs. Kirchheim
Schaffrath (11 Punkte), Rosenthal (10), Lawson (8), Shaw (8), Schmidt (7), Ishizaki (6), Johnson (4), Stachula, Daghofer, Nagler
Matthias Pattloch