Die Heimserie der NINERS ist gerissen. Am Samstagabend unterlag das Team von Cheftrainer Felix Schreier in der Richard-Hartmann-Halle vor 1.623 Zuschauern den Cuxhaven BasCats mit 74:83. Dabei war das durchaus humane Endergebnis fast noch der schönste Fakt dieser Partie. Denn die BV Chemnitz 99 lieferte ihre bis dahin schlechteste Saisonleistung ab und lag zwischenzeitlich schon mit 25 Punkten hinten. Dementsprechend frustriert zeigte sich Schreier auf der anschließenden Pressekonferenz: "Wir haben eigentlich ganz gut angefangen und nach dem ersten Viertel noch geführt. Aber im weiteren Verlauf haben wir das Basketballspielen fast komplett eingestellt und uns überhaupt nicht mehr an den eigenen Gameplan gehalten. Am Ende können wir froh sein, dass die Niederlage nicht höher ausgefallen ist."
Gegen die dezimierten Gäste aus Cuxhaven, welche ohne zwei Leistungsträger anreisten und bei denen sich später auch noch Stamm-Center Kristian Kuhn verletzte, legten die NINERS einen ganz ordentlichen Start hin. Nach zwei erfolgreichen Dreiern von Takumi Ishizaki und zwei Freiwürfen von Donald Lawson führte das BV-Team 8:6. Anschließend entwickelte sich ein munteres Spielchen mit zahlreichen Führungswechseln. Dabei wusste auf Cuxhavener Seite vor allem US-Boy Jackson Capel zu überzeugen, der mit insgesamt 31 Zählern zum Topscorer avancierte, während die NINERS eher durch variables Spiel zum Erfolg kamen. Dies schien ein durchaus probates Mittel, lag das BV-Team nach dem ersten Viertel doch mit 24:22 vorn.
Auch der Start in den zweiten Abschnitt verlief noch ganz verheißungsvoll. So traf Kapitän Gary Johnson zweimal aus der Nahdistanz zum 28:25. Allerdings sollte nun die vielleicht schlechteste Vorstellung einer NINERS-Mannschaft in den vergangenen drei Jahren folgen. Geprägt von absolut unnötigen Ballverlusten, miserabler Wurfauswahl und unterirdischem Reboundverhalten erzielte das BV-Team zwischen der 13. und der 24. Spielminute keinen einzigen Punkt. Obwohl Cheftrainer Felix Schreier in dieser Phase drei Auszeiten nahm und auch noch eine ganze Halbzeitpause dazwischen lag, änderte sich am desaströsen Auftritt der Chemnitzer Korbjäger überhaupt gar nichts. Es schien so, als hätte die gesamte Mannschaft einen kollektiven Blackout und folgerichtig misslangen selbst die einfachsten Dinge. Wenngleich man weiterhin engagiert verteidigte, war das Unglück nicht mehr aufzuhalten und am Ende dieser elfminütigen Schwächeperiode lagen die NINERS mit 28:49 hinten, was einer Vorentscheidung gleichkam.
Zwar mühte sich das BV-Team weiter redlich, doch an diesem Samstagabend passte einfach überhaupt nicht. Hatte man sich vorn einmal zwei Punkte hart erkämpft, kassierte man hinten gleich wieder einen offenen Dreier. Gelang in der Verteidigung ein Stopp oder Rebound, so warf man vorn den Ball nahezu unbedrängt ins Aus. Es war in der Tat zum Haare raufen und ob dieser grottenschlechten Vorstellung mussten sich die NINERS wahrlich nicht wundern, dass sie wenige Sekunden vor Ende des dritten Viertels mit 37:62 deutlichst hinten lagen. Zweifellos gab es bis dahin auch die eine oder andere strittige Schiedsrichterentscheidung, was so manchen Zuschauer und bisweilen ebenso die Spieler auf die Palme brachte, doch Felix Schreier stellte sofort nach Spielende klar: "Wegen den Schiedsrichtern haben wir garantiert nicht verloren. Heute müssen wir einzig und allein uns selbst an die Nase fassen!"
Erst als Cuxhaven, das nach Kuhns Ausscheiden nur noch mit sechs Spielern rotierte, im letzten Viertel aufgrund schwindender Kräfte und steigender Foulbelastung mindestens einen Gang zurückschaltete, fanden die NINERS wieder ins Spiel. Für eine erfolgreiche Aufholjagd war es freilich viel zu spät und so blieb es bei etwas Ergebniskosmetik. Allerdings sollte man positiv festhalten, dass die Chemnitzer Eigengewächse Felix Daghofer und Mario Nagler in dieser Phase zusammen 13 Punkte erzielten. Insbesondere Daghofer wäre es zu gönnen, wenn er bei seinen nächsten Einsätzen in engeren Spielphasen ebenso mutig wie in den Schlussminuten gegen Cuxhaven agieren würde. Aber auch die anderen BV-Korbjäger müssen ihre Lehren aus diesem Spiel ziehen und in den kommenden Partien eine entsprechende Reaktion zeigen. Dann spricht schon in wenigen Wochen niemand mehr von diesem rabenschwarzen Samstagabend und die Fans werden wieder wie ein sechster Mann hinter ihren NINERS stehen!
STATISTIK:
Ishizaki (15 Punkte), Johnson (13), Daghofer (11), Lawson (10), Shaw (8), Schmidt (6), Schaffrath (6), Rosenthal (3), Nagler (2), Stachula
Matthias Pattloch