Die Siegesserie der BV Chemnitz 99 ist gerissen. Nach zuletzt vier Erfolgen hintereinander mussten sich die NINERS am Samstagabend den Gloria Giants Düsseldorf mit 66:71 geschlagen geben. Zur Halbzeit hatte das Team um Kapitän Gary Johnson beim Stand von 39:36 noch knapp die Nase vorn. Doch ein äußerst dürftiges drittes Viertel brachte die BV-Korbjäger ins Hintertreffen. Der daraus resultierende 10-Punkte-Rückstand war im Schlussabschnitt trotz großem Einsatz nicht mehr aufzuholen und so mussten die NINERS letztlich mit leeren Händen zurück nach Chemnitz fahren. "Die Niederlage geht in Ordnung. Düsseldorf hat insgesamt mehr Energie aufs Feld gebracht und über die 40 Minuten hinweg konstanter gespielt. Wir konnten dagegen leider nicht an die Form der letzten Wochen anknüpfen", resümierte BV-Cheftrainer Felix Schreier.
Eigentlich starteten die NINERS ganz gut ins Match, führten nach einem Korbleger von Takumi Ishizaki und einem Johnson-Dreier mit 5:2. Doch Düsseldorfs Headcoach Murat Didin nahm umgehend eine Auszeit und aus dieser kehrten seine Giants deutlich stärker zurück. Allen voran der estländische Nationalspieler Rait Keerles, der an diesem Abend sowohl aus dem Feld als auch von der Freiwurflinie jeweils sieben von acht Würfen verwandelte und insgesamt 24 Zähler markierte. "Wir haben Keerles am Anfang zu viel Platz gelassen und wenn ein Spieler seiner Qualität einmal den Wurfrhythmus findet, ist er nur noch schwer zu stoppen", ärgerte sich Schreier, dass seine Mannschaft nicht ganz so bissig wie gewohnt verteidigte. Dank eines kleinen Schlussspurtes mit erfolgreichen Treffern von Donald Lawson und Ishizaki lagen die NINERS zum Ende des ersten Viertels allerdings nur zwei Zähler hinten (17:19).
Im nächsten Spielabschnitt konnten die BV-Korbjäger durch fünf Punkte von Philipp Stachula und einem weiteren Lawson-Treffer schnell auf 24:24 ausgleichen. Mitte des zweiten Viertels brachte Ishizaki die NINERS dann sogar in Führung (32:31) und als der Japaner kurz darauf seinen ersten Dreier verwandelte, schien das Pendel allmählich zu Chemnitzer Gunsten auszuschlagen. Dennoch war beim knappen Halbzeitstand von 39:36 für die Schreier-Mannen noch lange nichts entschieden. Darüber hinaus hatte das BV-Team wie schon gegen Paderborn mit einer allenfalls mittelmäßigen Dreierquote zu kämpfen und selbst manch leichter Korbleger wollte nicht fallen.
Diese Ladehemmung führte letztlich auch zu einem fatalen Start in den dritten Spielabschnitt, wo die NINERS vier Minuten lang ohne eigene Punkte blieben. Währenddessen erhielt Düsseldorfs Keerles nun maßgebliche Unterstützung vom erstliga-erfahrenen Marin Petric, der mit zwei Dreiern hintereinander die 46:41-Führung der Giants besorgte. Auch im weiteren Verlauf gab dieses Duo den Ton an und brachte die Gastgeber bis zum Viertelende gar mit 55:45 in Front. "Wir haben in diesen zehn Minuten viel zu überhastet agiert und gerade im Angriff schlechte Entscheidungen getroffen. Wenn man dann insgesamt nur sechs Punkte in einem Viertel macht, braucht man sich über den deutlichen Rückstand nicht zu wundern", kommentierte Felix Schreier.
Der Schlussabschnitt begann gleich mit einem weiteren Treffer des überragenden Keerles und als Düsseldorfs US-Boy Larry Hall fünf Minuten vor Schluss einen Dreier zum 64:53 für die Giants einstreute, schien die Partie fast schon entschieden. Aber wie so oft in dieser Saison zeigte das Chemnitzer Team große Moral und kämpfte sich noch einmal zurück. Zwei sichere Freiwürfe von Joleik Schaffrath, Korbleger Johnson, Korbleger Ty Shaw und der Tiger gleich nochmal von der Linie, dann endlich ein erfolgreicher Dreier von Jorge Schmidt und als Johnson eine Minute vor Schluss zwei weitere Freiwürfe verwandelte, waren die NINERS wieder auf 66:67 dran. Im nächsten Düsseldorfer Angriff zog der frühere BBL-Star Patrick Flomo ein Foul gegen Schaffrath, konnte allerdings nur einen seiner beiden Freiwürfe verwandeln. So hatte der gerade noch erfolgreiche Schmidt 14 Sekunden vor Schluss die Möglichkeit, das BV-Team von der Dreierlinie in Führung zu bringen. Doch sein Wurf ging leider deutlich daneben und so waren die NINERS zum taktischen Foul gezwungen. Düsseldorfs Petric zeigte aber keine Nerven und verwandelte beide Freiwürfe zum 70:66 und nach einem vergebenen Notdreier Johnsons war die Messe gelesen.
Besonders ärgerlich: Die BV-Korbjäger hatten sich eine Sekunde vor Schluss mit der Niederlage bereits abgefunden und wollten wenigstens noch den direkten Vergleich mitnehmen, der beim Stand von 66:70 für die NINERS gesprochen hätte. Doch dann werteten die Schiedsrichter, vermutlich in Erwartung eines weiteren "Stop-the-Clock-Fouls", leider eine minimale Berührung von Johnson an Düsseldorfs Bennett als eben dieses, wodurch der US-Boy in letzter Sekunde mit einem erfolgreichen Freiwurf doch noch den direkten Vergleich für die Gastgeber sichern konnte. Dennoch haderte BV-Coach Schreier nicht lange und richtete den Blick schon wieder nach vorn: "Wir haben heute einfach nicht unser Potential ausschöpfen können und völlig verdient verloren. Jetzt gilt es, diese Niederlage abzuhaken und uns auf das Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Kirchheim vorzubereiten. Vielleicht können wir da mit Hilfe der Fans für die Überraschung sorgen!"
STATISTIK:
Ishizaki (13 Punkte), Shaw (12), Lawson (10), Johnson (9), Schmidt (9), Stachula (9), Rosenthal (2), Schaffrath (2)
Matthias Pattloch