Den Träumen nahDen Träumen nah

zurück zur Übersicht

NINERS treffen im Europe-Cup-Halbfinale auf Bilbao

Den Träumen nah

Sachsens beste Korbjäger stehen vor den wichtigsten Partien ihrer Vereinsgeschichte. Am heutigen Mittwoch bestreiten die NINERS Chemnitz das Hinspiel im Halbfinale des FIBA Europe Cups beim spanischen Topteam Surne Bilbao Basket. Bereits eine Woche später begegnen sich beide Teams dann zum Rückspiel in der Messe Chemnitz, wofür weiterhin Tickets im Onlineshop und den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich sind. Das Team, welches in Summe beider Partien mehr Punkte erzielt hat, zieht ins Finale des Europe Cups ein, wo man auf Bahcesehir Istanbul oder Itelyum Varese treffen würde. Die erste Halbfinalpartie der NINERS in der 10.000 Zuschauer fassenden, wunderschönen Bilbao Arena wird ab 20:00 Uhr live auf dem Youtube-Kanal der FIBA übertragen (https://www.youtube.com/watch?v=VMPOhAtD-vA). Das Rückspiel an gleicher Stelle und vor allem auch im MDR-Stream mit Livekommentar von Basketballexperte Benni Zander. Der Ausgang des Duells zwischen dem Tabellenzweiten aus Deutschland und dem Elftplatzierten der stärksten Liga Europas, der spanischen ACB, scheint im Vorfeld völlig offen.

Beide Kontrahenten spielten sich im bisherigen Verlauf des Europe Cups mit starken Leistungen in den Kreis der ernsthaftesten Titelkandidaten. So wahrten Bilbao wie auch Chemnitz in der ersten Gruppenphase eine gänzlich weiße Weste, zogen mit sechs Siegen aus sechs Partien souverän in die Zwischenrunde ein. Auch dort dominierten die Teams aus dem nordspanischen Baskenland und Südwestsachsen weiter, leisteten sich jeweils nur eine Niederlage – Bilbao mit 80:82 in Göttingen, Chemnitz mit 78:90 in Varese. Im Viertelfinale erwiesen sich beide Mannschaften dann als Rekordbrecher. Bilbao fegte beim Rückspiel Legia Warschau mit 81:53 vom Parkett und holte so nach der vorangegangenen 64:83-Niederlage in Polen den höchsten Hinspiel-Rückstand in der Geschichte des Europe Cups auf. Chemnitz wiederum sorgte mit seinen beiden Kantersiegen gegen Saragossa (98:64, 102:86) und einer Gesamtdifferenz von plus 50 Punkten für den größten KO-Runden-Vorsprung der Europe-Cup-Historie. Dass die NINERS ausgerechnet einen Gegner aus der hochgelobten ACB derart dominierten, sorgte europaweit für Aufsehen, wird dem nächsten spanischen Kontrahenten aber mehr als nur eine Warnung sein und Bilbao zusätzlich motivieren, die iberische Ehre wiederherzustellen.

Dass der EuroCup-Finalist von 2013 die sportlichen Fähigkeiten dazu hat, steht völlig außer Frage. Allein unter dem Brett lauern mit dem britischen Nationalspieler Sascha Killeya-Jones (15.2 Punkte pro Europe-Cup-Spiel) und dem isländischen Auswahlakteur Tryggvi Hlinason (7.3) zwei 2.15 Meter große Riesen, denen die bekanntermaßen etwas kleiner aufgestellten NINERS erst einmal Paroli bieten müssen. Auf den Guard-Positonen werden Bundesliga-Fans viele bekannte Gesichter wiedersehen. Keith Hornsby (11.3) hinterließ 2020 in Oldenburg seine Spuren, der estnische Nationalspieler Kris Kullamae (10.1) machte einst als Teenager bei Gotha die ersten Schritte im Profi-Basketball und der mittlerweile 37-jährige US-Routinier Alex Renfroe (8.5) wurde 2013 mit Bamberg deutscher Meister, ehe er später auch für ALBA BERLIN und den FC Bayern München spielte. Währenddessen kann sein Landsmann Adam Smith auf Profistationen in Frankreich, Italien, der Türkei, Griechenland, Polen, Israel und eben Spanien zurückblicken. Mit den beiden schwedischen Nationalspielern Melwin Pantzar (Guard, 9.4 Punkte pro Partie) und Denzel Andersson (Forward, 4.8), dem belgischen Auswahlakteur Thijs De Ridder (Forward, 6.1) und dem griechischen 2.16-Meter-Center Georgios Tsalmpouris (5.6) stehen weitere namhafte Spieler aus EU-Ländern im Kader Bilbaos, da diese im spanischen Basketball den Einheimischen gleichgestellt sind und somit in der ACB nicht als Ausländer zählen. Im Europe Cup ist die Regelung dagegen etwas anders, weshalb dort nur höchstens sieben Spieler eingesetzt werden dürfen, die nicht als Jugendliche für mindestens drei Jahre im Heimatland des jeweiligen Clubs ausgebildet wurden – die sogenannte „Homegrown-Player-Regelung“. Folglich muss Bilbao auf internationaler Ebene teils auf einige der vorgenannten Akteure verzichten und dort stattdessen vermehrt auf die drei stärksten Spanier im eigenen Kader, also die Flügelspieler Xavier Rabaseda (4.2), Alex Reyes (3.6) und Tomeu Rigo (3.4) setzen. Eine Sonderstellung genießt der Schwede Melwin Pantzar, der von 2016 bis 2019 die Jugendschule von Real Madrid durchlief und dadurch im Europe Cup als „Homegrown Player“, also quasi als „Spanier“ gilt.

In Summe kann Bilbao auf ein Team aus 13 gestandenen Profis mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren und einen sehr erfahren Headcoach setzen. Jaume Ponsarnau verbringt aktuell bereits seine 15. Spielzeit als Cheftrainer in der spanischen ACB, führte dort schon Manresa, San Sebastian, Saragossa sowie Valencia an und gewann mit letztgenanntem Club 2019 den EuroCup durch einen 2:1-Finalerfolg über ALBA BERLIN. Seit seiner Ankunft in Bilbao hat Ponsarnau die Basken zu einem enorm heimstarken Team geformt. Mittlerweile ist die im Schnitt fast zwei Meter große Mannschaft seit über drei Monaten in der heimischen Bilbao Arena ungeschlagen, konnte dort wettbewerbsübergreifend vor bis zu 10.000 zumeist sehr heißblütigen Fans neun Siege in Serie holen. Den letzten erst am Sonntag, als Bilbao im baskischen Prestige-Derby den EuroLeague-Teilnehmer Baskonia Vitoria-Gasteiz mit einem Buzzerbeater-Dreier von Kris Kullamae 82:80 niederrang, also jenes Baskonia-Team, das diese Saison auf internationalem Parkett zweimal ALBA BERLIN bezwang. Obwohl Quervergleiche im Sport immer schwierig sind, zeigen derlei Ergebnisse, Heimsiege gegen spanische Playoff-Anwärter wie Valencia, Murcia und Manresa oder die Heimbilanz der Basken im Europe Cup mit 7:0 Siegen bei plus 139 Korbpunkten, wie schwer es für die NINERS wird, in der lautstarken Bilbao Arena zu bestehen. Dass die Basken zuletzt drei Heimspiele in Folge bestritten und somit gänzlich ohne Reisebelastung in das Duell mit Chemnitz gehen können, spricht ebenfalls für die Hausherren. So werden die Mannen von Coach Rodrigo Pastore am Mittwoch in Bilbao wohl nicht weniger als ihre beste Saisonleistung zeigen müssen, um ein Resultat aus Spanien mitzubringen, welches für das Rückspiel nächsten Mittwoch in Chemnitz noch alle Chancen auf den Finaleinzug offen lässt. Eine kleine Anzahl NINERS-Anhänger wird das Team live vor Ort unterstützen – aber tausende Daumen in Chemnitz für die „Orange Army“ gedrückt sein. LET’S GO NINERS!